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30.07.2008

Laktatleistungsdiagnostik

Teil 2: Auswertung der Laktatwerte

Die erhaltenen Laktatwerte der Blutanalyse und die gemessenen Herzfrequenzen können in ein Diagramm oder in ein spezielles Programm übertragen und ausgewertet werden. Im Anschluss eine Liste der im deutschen Raum am häufigsten verwendeten Laktatanalyseprogramme:

Eine optimale Laktatleistungskurve sollte exponentiell ansteigend verlaufen. Die typische Herzfrequenzkurve sollte leicht linear ansteigen (siehe Bild).

Zur Ermittlung der Leistungsfähigkeit und des Trainingszustands des Athleten werden verschiedene Schwellen (aerobe, anaerobe, individuelle anaerobe Schwelle) aus der Laktatkurve abgelesen. Diese geben Auskunft über die unterschiedlichen Arten der Energiebereitstellung während der Belastung. Diese können mit verschiedenen Schwellenkonzepten ermittelt werden.

Während eines Laktatleistungstests können Laktatwerte von mehr als 20 mmol/l auftreten, dieses Extremum ist aber eher selten. Bei Ausbelastung eines Athleten sind Laktatwerte von 9-18 mmol/l normal.

Kurve Leistungstest Laktat

Schwellenkonzepte

Seit den 70iger Jahren werden die verschiedenen Laktatschwellen anhand von Modellen ermittelt.

Die bekanntesten Schwellenmodelle sind: das MADER-Schwellenmodell, das Freiburger-Schwellenmodell, das KEUL-Schwellenmodell, das DICKHUT-Schwellenmodell, das STEGMANN-Schwellenmodell und das SIMON-Schwellenmodel für Schwimmer.

Nach MADER (1976) liegt bei 2 mmol/l die aerobe und bei 4 mmol/l die anaerobe Schwelle. Diese sind fixe, rein empirisch ermittelte Werte, welche interindividuelle Unterschiede nicht berücksichtigen. Den Bereich zwischen der aeroben und anaeroben Schwelle nennt MADER aerob-anaeroben Übergangsbereich.

Bei den weiteren Modellen werden die individuelle aerobe und anaerobe Schwelle durch verschiedene Ansätze ermittelt.
Beim Freiburger Modell wird der erste signifikante Laktatanstieg berechnet (Basislaktat). Durch addieren von 2 mmol/l Laktat auf das Basislaktat, wird die anaerobe Schwelle bestimmt.

Das SIMON Schwellenmodel für Schwimmer gleicht dem Freiburger Modell nur, dass anstatt der 2 mmol/l nur 1,5 mmol/l Laktat zum Basislaktat dazuaddiert werden. Dieser Wert ist speziell für den Schwimmsport entwickelt wurden.

Einen ähnlichen Ansatz findet man auch bei DICKHUT. Er nimmt aber als Basislaktat den niedrigsten gemessenen Laktatwert im Test und addiert 0,5 mmol/l hinzu, um die aerobe Schwelle zu erhalten. Zur Ermittlung der anaeroben Schwelle werden nochmals 1,5 mmol/l Laktat aufgeschlagen.

Ganz andere Ansätze bieten die Modelle von KEUL und STEGMANN. KEUL berechnet die individuelle anaerobe Schwelle über einen Tangentenwinkel von 45° für Radfahrer und 51° für Läufer. Der Unterschied wird dadurch erklärt, dass beim Radfahren das Körpergewicht getragen wird und deshalb eine niedrigere Belastung bzw. Herzfrequenz erreicht wird.

Wiederum einen anderen Weg ist STEGMANN gegangen. Er lässt nach Ausbelastung des Sportlers deren Nachbelastungslaktat mehrmals messen. An der Stelle an der Abbruch- und Erholungslaktat gleich sind, wird eine Tangente an die Laktat-Zeit-Kurve gelegt. Der Schnittpunkt kennzeichnet die individuelle anaerobe Schwelle.

Neben dem DICKHUT-Modell wird das Freiburger Modell am häufigsten in der Praxis angewendet. Nur noch selten finden die Modelle nach KEUL und STEGMANN Anwendung.

Teil 2: Auswertung der Laktatwerte